Referenzwert berechnen

Oft werden zunächst die Hölzer eines Instruments untereinander verglichen, um den relativen Altersunterschied festzustellen. Haben die Jahresringbreite-Sequenzen eine große Ähnlichkeit, d. h. einen hohen Korrelationswert, so kann man aus den Sequenzen einen Mittelwert berechnen, der dann als Referenz für die weitere Analyse dient.

Umfassende Datenbank

Für die Analyse nutzen wir unsere eigene dendrochronologische Datenbank, die in unserem Fach zu den umfangreichsten weltweit gehört. Sie beinhaltet Messungen an Geigen, Bratschen, Celli, Kontrabässen, Gitarren, Lauten, Viola da Gamben, Virginalen, Cembali und Klavieren von über 500 Instrumentenbauern vom 15. bis ins 21. Jahrhundert – darunter mehr als 320 Instrumente allein von Stradivari.

Die Formel: Terminus post quem + 5

Die dendrochronologische Analyse liefert das frühestmögliche Entstehungsdatum des Instruments, den sogenannten Terminus post quem. Zu diesem Datum sollte man aber mindestens zwei bis fünf Jahre hinzuaddieren, um die Trocknungszeit des Holzes und den Materialverlust bei der Verarbeitung zu berücksichtigen.

Am Beispiel der im Bild gezeigten Geige von G. Guarneri filius Andreae lässt sich das Verfahren veranschaulichen: Die jüngsten Jahresringe befinden sich jeweils an der Fuge der zweiteiligen Decke und stammen aus den Jahren 1693 bzw. 1712. Die Geige kann also frühestmöglich 1712 entstanden sein. Addiert man fünf Jahre hinzu, erhält man 1717 als realistisches Baujahr. Dieses Ergebnis unterstützt die stilistische Expertise, die von 1724 als Baujahr ausgeht.

Aus einem Baum gefertigt?

Meistens besteht die Decke eines Streichinstrumentes aus zwei oder mehr Teilen. Mit der dendrochronologischen Methode lässt sich feststellen, ob diese Teile aus demselben Baum stammen. Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, damit eine Stammgleichheit in Betracht kommt:

  • t-Wert größer als ca. 8
  • Gleichläufigkeit sollte mehr als 70 % betragen
  • die Grafen der beiden Teile sollten sehr große visuelle Ähnlichkeit aufweisen
  • die Grafen sollten einen ähnlichen Anfang und ein ähnliches Ende haben
  • die Breiten der Jahresringe sollten sehr ähnlich sein
  • minimale Überlappung von ca. 70 Jahresringen

Stammgleichheit kann auch bei unterschiedlichen Instrumenten bestehen, da Geigenbauer häufig größere Mengen Tonhölzer aus einem Baum gekauft und daraus mehrere Instrumente hergestellt haben. Im Oeuvre Antonio Stradivaris finden sich viele Beispiele solcher Stammgleichheiten. (Mehr dazu auf der Unterseite Stradivari.) Die Untersuchungen zur Stammgleichheit geben einen guten Eindruck über die Trockenzeit und den Materialverlust von Tonhölzern beim Bau von Saiteninstrumenten.